Zurückhaltung bei IT-Investitionen: Channel spürt Konjunkturdruck

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Für Sie in Österreich - 03.09.2026
von Waltraud Ritzer

Die Stimmung im deutschen und österreichischen IT-Channel hat sich spürbar eingetrübt. Endkunden investieren weiterhin, aber deutlich zurückhaltender und mit anderen Prioritäten. Das zeigt eine aktuelle Umfrage von Compris unter 326 IT-Dienstleistern, Systemhäusern und Systemintegratoren, die zwischen Mai und Juli 2026 durchgeführt wurde.

Die Befragten umfassen Geschäftsführer, Vertriebsleiter sowie Verantwortliche für Herstellerauswahl und Portfolio-Management. Das Ergebnis fällt eindeutig aus: 56 Prozent bewerten die aktuelle Wirtschaftslage negativ, 39 Prozent stufen die Lage als herausfordernd oder rückläufig ein, und 17 Prozent sprechen von einer schwierigen Situation mit starkem Rückgang. Lediglich 5 Prozent berichten von Wachstum. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil stabiler Geschäftslagen von 52 auf 38 Prozent gesunken. Gleichzeitig hat sich der Anteil schwieriger Lagen mehr als vervierfacht – von 4 auf 17 Prozent.

Trotz der eingetrübten Lage investieren Endkunden weiter, jedoch mit klar verschobenen Prioritäten. Die größten Investitionsblöcke liegen bei Betrieb, Security und Cloud – nicht bei Innovationsthemen. Laut Umfrage entfallen 20 Prozent der aktuellen IT-Investitionen auf IT-Dienstleistungen wie Optimierung, Instandhaltung und Betrieb. Security folgt mit 19 Prozent, Cloud-Migration mit 16 Prozent und IT-Infrastruktur mit 14 Prozent. Consulting und Workplace-Themen liegen jeweils bei 8 Prozent, Anwendungssoftware bei 6 Prozent. Künstliche Intelligenz landet mit nur 3 Prozent am unteren Ende der Investitionsprioritäten – ein deutliches Signal, dass viele Unternehmen aktuell lieber stabilisieren als experimentieren.

Die Studie verknüpft diese Ergebnisse mit einer früheren Compris-Befragung zu Komponentenengpässen aus dem Winter 2025/2026. Damals hatten 88 Prozent der befragten Systemhäuser von Lieferengpässen im Server- und Storage-Bereich berichtet. Die Folgen waren Projektverschiebungen bei 24 Prozent der Betriebe und längere Sales Cycles bei 17 Prozent. In der Zusammenschau ergibt sich für den Channel ein Bild doppelten Drucks: Lieferengpässe bremsen die operative Umsetzung, während die schwächere Konjunktur die Investitionsbereitschaft der Endkunden dämpft.

Für Hersteller und Vertriebspartner bedeutet das eine veränderte Ausgangslage. Projekte werden kritischer geprüft, Budgets stärker priorisiert. Wer im Channel überzeugen will, braucht mehr als ein Innovationsversprechen. Gerald Holler, Geschäftsführer von Compris, bringt es auf den Punkt: „Wer heute im Channel gewinnen will, muss zwei Dinge gleichzeitig können: verlässlich liefern und wirtschaftlich überzeugen.“ Als Konsequenz prüfen viele IT-Dienstleister aktuell verstärkt alternative Hersteller. Entscheidende Kriterien sind dabei Lieferfähigkeit und Preis-Leistungs-Verhältnis.

03.09.2026, von Waltraud Ritzer