Fachbeitrag aus der peoplefone Redaktion. Jetzt weiterlesen...
Deutschland wird gerne als Autoland bezeichnet, noch zumindest. Doch ein Blick auf die aktuelle wirtschaftliche Wertschöpfung zeigt, dass sich die Gewichte längst verschoben haben. Die digitale Wirtschaft ist inzwischen deutlich größer als die Automobilindustrie und hat sich zu einem der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren Deutschlands entwickelt.
Nach einer aktuellen Untersuchung des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) und des Mannheimer Forschungsinstituts ISTARI.AI erwirtschaftet die deutsche Digitalwirtschaft jährlich rund 481,5 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung. Das entspricht 11,91 Prozent der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung. Damit kommt inzwischen fast jeder achte Euro der deutschen Bruttowertschöpfung aus der Digitalwirtschaft.
Zum Vergleich: Der Automobilbau kommt auf einen Anteil von etwa 4,5 bis 5 Prozent an der deutschen Bruttowertschöpfung. Die digitale Wirtschaft ist damit mehr als doppelt so groß wie die klassische Automobilindustrie.
Besonders interessant wird die Entwicklung, wenn man Digitalisierung nicht nur auf klassische Technologieunternehmen beschränkt. Denn digitale Wertschöpfung entsteht heute praktisch in allen Branchen. Unternehmen aus Industrie, Handel, Finanzwirtschaft oder Dienstleistungen nutzen digitale Technologien und haben ihre Geschäftsmodelle entsprechend verändert.
Bezieht die Studie deshalb auch Unternehmen aus traditionellen Branchen ein, deren Wertschöpfung bereits stark von der Digitalisierung geprägt ist, kommt sie auf eine beeindruckende Größenordnung von mehr als einer Billion Euro. Konkret liegt die digital geprägte Wertschöpfung bei über 1,01 Billionen Euro. Damit ist bereits mehr als ein Viertel der gesamten deutschen Bruttowertschöpfung digital geprägt.
Die Zahlen zeigen vor allem eines: Digitalisierung ist längst keine eigene Nische der Wirtschaft mehr. Sie durchzieht nahezu alle Branchen und verändert, wo und wie in Deutschland Wert geschaffen wird. Ein Unternehmen muss deshalb kein klassischer Software- oder Technologiekonzern sein, um Teil der digitalen Wirtschaft zu sein.
Genau hier liegt auch die Besonderheit der neuen Untersuchung. Klassische Statistiken ordnen Unternehmen in feste Branchen ein. Ein digital arbeitendes Unternehmen kann dadurch beispielsweise weiterhin als Industrie-, Handels- oder Finanzunternehmen auftauchen, obwohl ein großer Teil seiner Wertschöpfung inzwischen auf digitalen Geschäftsmodellen, Daten und Technologien basiert. Die Studie versucht deshalb, stärker auf die tatsächliche Geschäftstätigkeit der Unternehmen zu schauen.
Das Ergebnis verändert den Blick auf die deutsche Wirtschaft. Während häufig über die Bedeutung der Automobilindustrie gesprochen wird, zeigt die Untersuchung, dass die Digitalisierung wirtschaftlich längst eine noch größere Rolle spielt. Und dabei geht es nicht nur um große Technologiekonzerne oder Start-ups. Digitalisierung ist mittlerweile ein Querschnittsthema, das nahezu die gesamte Wirtschaft erfasst.
Für Deutschland ist das eine wichtige Entwicklung. Die Stärke der deutschen Wirtschaft wird künftig nicht allein davon abhängen, wie viele Autos, Maschinen oder andere Industriegüter produziert werden. Ebenso entscheidend wird sein, wie erfolgreich Unternehmen Daten, Software, künstliche Intelligenz und andere digitale Technologien einsetzen.
Das traditionelle Bild vom „Autoland Deutschland“ bekommt damit einen neuen Zusatz: Deutschland ist längst auch ein digitales Wirtschaftsland. Die aktuellen Zahlen machen deutlich, wie groß dieser Bereich inzwischen geworden ist – und wie stark die Digitalisierung die gesamte deutsche Wirtschaft verändert.
17.09.2026, von Waltraud Ritzer